Dr. Ophelia Nick

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50 Jahre Club of Rome – Verzicht ist keine Lösung

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Was hat der Club of Rome geschafft? Und was schlägt er vor? Dazu diskutierten Prof. Dr. Dr. Radermacher und Stephan Mögle-Stadel vor rund 100 Leuten auf dem Talhof im Cafe Walden in Heidenheim.

Prof. Radermacher seit 2002 Mitglied im Club of Rome hatte einige Lösungsvorschläge mitgebracht, die den Kollaps unseres Planeten noch vermeiden könnten. Und die Lösungen waren anders als viele dachten: Denn es geht nur mit einer sozialen und klimaschützenden Wende. Und Verzicht ist dabei nicht die Lösung. Wenn wir uns anstrengen, dann schaffen wir mit einer 30prozentigen Chance, die Welt vor dem Kollaps zu bewahren. Und Prof. Radermacher gehört zu dem Optimisten beim Club of Rome, wie er sagte. Sein Buch “Welt mit Zukunft – die ökosoziale Perspektive” lohnt sich zu lesen.

Ein kurzer Blick zurück, zu den Anfängen des Club of Rome. 1972 kam der Bericht Grenzen des Wachstums heraus, der weltweit große Beachtung fand und die Menschen mit der Fragilität der Erde konfrontierte. Die Grenzen des Wachstums bedeuten aber nicht Grenzen des wirtschaftlichen Wachstums, sondern ein Wachstum abgekoppelt von Energie und Ressourcenverbrauch. Das übrigens ist zu 50 Prozent gelungen. Aber trotzdem haben wir auf der Welt einen gewaltigen Energieverbrauch, wir haben große soziale Probleme und verbrauchen zu viele Rohstoffe.  

Deshalb sind die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goal SDG) der UN von 2017 so wichtig. Wir brauchen 7 Prozent Wachstum in den Dritte Welt Ländern, als Überwindung der Armut, um die sozialen Probleme zu verringern und auch die Bevölkerungsexplosion abzubremsen.

 

Verzicht, so Prof. Radermacher, um den Klimawandel zu entgehen, ist aber keine Lösung. „Wohlstandsminderung mit weniger medizinischer Versorgung, weniger Mobilität das kann doch nicht die Lösung sein, oder will jemand von uns wie vor 200 Jahren leben?“ Dazu kommt, dass der Rest der Welt so leben will wie wir. Sie wollen mehr materiellen Wohlstand und das ist legitim. Also Wohlstand für alle: Bildung für Kinder, Sanitätseinrichtung für Frauen, Arbeitsplätze, lebenswerte Städte und vieles mehr.

Und wir hier in Europa und es geht uns hier wirklich gut, wir wollen nicht auf unsere zivilisatorischen Errungenschaften verzichten. Aber das Risiko, dass wir in ernste Schwierigkeiten kommen, ist hoch, denn wir haben einen zu hohen Emissions- und Ressourcenverbrauch.

Schaut man nach China, haben sie zwar Armut überwunden, aber ein extremer Anstieg der Klimagase. Und – China verbaute mehr Beton in 5 Jahren, als die USA jemals verbaut haben. Die Vorstellung, dass Indien und Afrika den Weg aus der Armut genauso wie China gehen können, lässt die Welt zu 100 Prozent kollabieren. China hat mittlerweile Europa als CO2 Emittent überholt.

Wie also könnte die Lösung laut Radermacher aussehen? Durch wachsenden Wohlstand in Afrika in Verbindung mit CO2 Reduzierung aus der Atmosphäre!

Und wie soll das gehen? Dazu 3 Punkte:

  1. Aufforsten, aufforsten, aufforsten in Afrika und mit Holz anstatt Beton bauen. Holz als multifunktionalen und wertvollen Baustoff nutzen und die nächsten 200 Jahre nicht mehr verbrennen.
  2. Landwirtschaft: Afrika muss die Halbwüsten fruchtbar machen und ein Exporteur für Nahrungsmittel werden. Das bedeutet CO2 in den Böden zu binden und mehr Wohlstand für Afrika. Außerdem die  Umwandlung von Biomasse in Biokohle und dieser soll in die Böden gebracht werden.  
  3. Als letzter Punkt müssen wir auch in Afrika synthetische Kraftstoffe (Sauerstoff, Wasserstoff, Biomethanol) herstellen und für die Mobilität verwenden. Elektromobilität wird schon mittelfristig nicht die entscheidende Rolle spielen, wie erhofft.

Und wie soll das bezahlt werden. Von denen die vermögend sind und hohe CO2 Emittenten sind, also erkaufte Klimaneutralität. Das klingt zwar nach Ablasshandel, aber wir sollten es ernsthaft als nächsten Schritt durchdenken. Die Reichsten der Gesellschaft (Städte, Gemeinden, Firmen, Personen) müssen klimaneutral werden und können so die Finanzmittel für die Ziele nachhaltiger Entwicklungen also der Sustainable Development Goal SDG gesammelt werden.

Zum Abschluss ist zu sagen: Zeit haben wir nicht, die Lösungen sind oft anders als man denkt. Und auch wenn Verzicht nicht der richtige Weg ist, ist aber Entwicklung und eine extreme Fokussierung auf die Abwendung des planetaren Kollaps zwingend.

S. auch Club of Rome diskutierte über die Pläne zur Rettung der Welt, Heidenheimer Zeitung, 30.04.18

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