Dr. Ophelia Nick BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

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Landwirtschaft hat Zukunft, aber welche?

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Vier Experten diskutierten unter der Moderation der GRÜNEN Politikerin Dr. Ophelia Nick am 30. Oktober 2018 die Zukunft der Landwirtschaft in der Scheune B7 zwischen Mettmann und Düsseldorf. Für die drängenden Fragen zum Verlust der Artenvielfalt und des sich wandelnden Klimas sollten Lösungen gefunden werden. Lösungsansätze gab es viele, nur Uneinigkeit herrschte unter den Experten.

Zum Diskussionsabend Zukunft der Landwirtschaft trafen sich Experten aus sehr unterschiedlichen, teils gegensätzlichen agrarpolitischen Richtungen. Der Pflanzenschutzexperte und Agrarblogger Bauer Willi, mit richtigem Namen Dr. Kremer-Schillings, traf auf den GRÜNEN Europaabgeordneten und Biobauern Martin Häusling, sowie Bernd Kneer Kreislandwirt der Kreisstelle Mettmann und Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NaBu NRW. Die GRÜNEN Politikerin Dr. Ophelia Nick führte mit den Worten ein: „Heute Abend soll nicht jeder auf den anderen mit den Finger zeigen und sagen: ‚der müsste mal!‘. Wir wollen heute nach Lösungen suchen, um das dramatische Artensterben und den Klimawandel aufzuhalten“. Sie stellte klar, dass die Kosten unseres Konsums nicht wir zahlen, sondern unsere Kinder und Enkel.

Josef Tumbrinck begann mit einem dringenden Weckruf: „Wir verlieren Tierarten und Masse an Insekten. Auch Tiere wie Rebhühner und Feldlerchen sind gefährdet.“ Artenschwund findet auf den landwirtschaftlichen Flächen statt und Landwirtinnen und Landwirte müssen für ökologische Leistungen vergütet werden, gab er zu verstehen. Bernd Kneer führte aus, wieviel er auf seinem Betrieb für den Artenschutz macht. Manche Maßnahmen sind Teil des verpflichtenden Greenings, andere sind freiwillig wie die Teilnahme am Programm für ‚Vielfältige Kulturen‘. „Glyphosat ist kein Allheilmittel, aber es stellt eine Alternative dar“, erklärte er. Die Bearbeitung seines Bodens sei schwierig. Vor allem die Starkregenereignisse des vorletzten Jahres haben gezeigt, dass Glyphosat einfacher zu verwenden sei als zu Pflügen. Aus seiner Sicht ist die Umstellung auf den Ökolandbau nicht für jedem Landwirt einfach möglich. 

Der Agrarblogger Bauer Willi sieht im täglichen Flächenverbrauch die Ursache unseres dramatischen Artensterbens und prangert die niedrigen Kosten für Nahrungsmittel an. „Wer Hähnchen für € 2,79 kauft, gibt an der Kasse das Recht ab, sich über Massentierhaltung aufzuregen“, rief er ins Publikum. Subventionen für die Landwirtschaft seien nicht die Lösung. Stattdessen müssten Naturschutzleistungen reelle Einkommensmöglichkeiten darstellen und nicht nur Entschädigungen seitens der Politik sein. Martin Häusling erklärte, dass durch den Brexit noch weniger Gelder in die europäische Landwirtschaft fließen und vor allem beim Naturschutz gespart werden wird. „Die Vertreter des Bauernverbandes in Brüssel stehen für Exportorientierung, billige Produktion auf Masse, anstatt sich für Landwirtinnen und Landwirte einzusetzen“, machte er deutlich. Landwirte müssten sich organisieren, um ihre Position in der Wertschöpfungskette zu stärken.

Die lebhafte Diskussion wurde auch mit dem Publikum geführt. Keine der erbrachten Lösungsansätze der Experten schien wirklich zufriedenstellend zu sein. „Vielleicht ist heute Abend klar geworden, dass die Lösungen nicht einfach sind, die Lage aber dringlich“, fasste Ophelia Nick den Abend zusammen. „Die Podiumsteilnehmer haben mehr oder weniger machbare Lösungen präsentiert, aber die Welt konnte heute auf dem Podium keiner retten“. Ein Publikumsteilnehmer merkte zum Schluss an: „Wenn sich nicht alle ändern und meinen, nur einzelne Gruppen müssten das tun, wie zum Beispiel Landwirtinnen und Landwirte, dann sieht es nicht gut für die Zukunft aus. Jeder Einzelne von uns ist gefragt“.