Dr. Ophelia Nick BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

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„Unbeliebt mit Leidenschaft“!

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Dankenswerterweise hat die Studentin Annika Seidel (Medienwissenschaften) ihr Porträt, das sie im Rahmen einer Hausarbeit über mich angefertigt hat, zur Freigabe bereitgestellt. 

„Unbeliebt mit Leidenschaft“!

 

Als PolitikerIn in der Öffentlichkeit zu stehen, ist nicht immer einfach. Oft wird Frust und Wut an ihnen ausgelassen. Doch ist an Aussagen wie: „Die stecken sich doch nur selbst die Taschen voll“ wirklich was dran? – Bündnis-90/Die-Grünen-Politikerin Dr. Ophelia Nick erzählt von sich und ihren Erfahrungen.

Von Annika Seidel

Der erste Bundesparteitag 2018 der Partei Bündnis 90/Die Grünen in Hannover. Das Rednerpult steht vor einer Leinwand mit vielen Bäumen und der Aufschrift: „… Und das ist erst der Anfang“. Noch schnell wird das Mikrofon zurechtgerückt, bevor die 3-minütige Rede beginnt. „Liebe Freundinnen, liebe Freunde, …“. Dr. Ophelia Nick begrüßt die Mitglieder. Sie spricht von der gemeinsamen Agrarpolitik der EU und einer besseren Aufteilung der Gelder, um zum Beispiel den Erhalt von Höfen stärker zu unterstützen. „… Und deshalb bitten wir um Eure Stimme und Eure Unterstützung. Vielen Dank!“ Mit einem Lächeln verabschiedet sie sich und verlässt die Bühne. Das Publikum applaudiert.

Quelle: Dr. Ophelia Nick

Doch dass es auch Widerstand geben kann, ist der bodenständigen Politikerin bewusst, die nicht darauf   besteht, mit ihrem Doktortitel angesprochen zu werden. „In der Politik muss man mit Angriffen rechnen, das gehört zum Geschäft.“ Konfrontationen seien daher üblich. Jedoch wird sich mit weitaus mehr als nur den politischen Gegenstimmen auseinandergesetzt. „Der Beruf gehört zu den Unbeliebtesten“, betont Ophelia Nick. Politiker gelten häufig als korrupt und gierig. Dass das jedoch nicht oft der Fall ist, weiß die Grünenpolitikerin. „Die Menschen sehen nicht den hohen persönlichen Einsatz, den fast alle Politiker überdurchschnittlich erbringen.“ Mit viel Ehrgeiz, Leidenschaft und Engagement arbeitet sie daran, in der Landwirtschaft und für die Tiere bessere Bedingungen zu schaffen. Das trifft aber nicht immer auf Unterstützung. „Die Menschen reagieren oft mit schlechten Gewissen, wenn man sagt, dass man bei den Grünen ist.“ Während sie sich eine Tasse Pfefferminztee eingießt, gesteht sie: „Wir alle leben ja nicht perfekt.“ Jeder stoße klimaschädliche Gase in die Luft, esse Fleisch aus Massentierhaltung und produziere eine Menge an Müll. „Die meisten reagieren dann mit Abwehr.“ Ihr ist klar, dass nicht jeder sein Leben der Umwelt und den Tieren zuliebe ändern will.

Nach dem Abitur hat Ophelia Nick ein Jahr auf einem Bauernhof gearbeitet. Jedoch hat sie die Landwirtschaftslehre abgebrochen, aus Angst, dieser Aufgabe nicht gewappnet zu sein. „Ich habe mir nicht zugetraut, als Frau alleine einen Hof zu führen“, gesteht sie. An ihrem Blick ist abzulesen, dass sie dies im Nachhinein bereut. Sie entschied sich, stattdessen Tiermedizin in Berlin zu studieren. Schon immer lagen ihr Tiere am Herzen. Dies ist bereits bei einem Blick von ihrem Schreibtisch zusehen. In der kleinen, niederbergischen Stadt Wülfrath lebt Ophelia Nick mit ihrer Familie inmitten von grünen Feldern. Auf der Weide gegenüber grast ihre eigene, kleine Schafherde, welche sie mit einer Bekannten umsorgt. Und wenn das Wetter schön ist, picken ihre Hühner auf dem Hof vor dem Haus. „Ich habe gerne Tiere um mich herum.“ Auch Hunde sind ihr sehr wichtig.  Die gelernte Tierärztin ist mit Hunden aufgewachsen und hat seither eine enge Bindung zu den Tieren. Nach einer Weiterbildung des Studiums, leitete sie für etwa fünf Jahre eine Hundeschule, um Beruf und Familie zu verbinden. Da ihr Mann Internist ist und eine Gemeinschaftspraxis führt, konnte Ophelia Nick nicht als Vollzeitkraft in einer Tierarztpraxis arbeiten. „Ich habe es ein Jahr lang versucht, aber es war eine Katastrophe.“ So war die hauseigene Hundeschule eine gute Möglichkeit, trotz Beruf für ihre vier Söhne da zu sein. Sie veröffentlichte währenddessen auch ihr eigenes Buch zum Thema Hundeerziehung: „Das 4-Wochen-Erziehungsprogramm für Hunde“. Kurz darauf begann sie, ihre Doktorarbeit zu schreiben. Die Promotion behandelt das Thema Labor-Hunde, welches ihr sehr wichtig war. 2012 kehrte Ophelia Nick, nach beendeter Promotion, der Tiermedizin dennoch den Rücken zu und wandte sich der Politik zu.

„Die Menschen denken, Politiker sind Freiwild“

Vorurteile gibt es überall, in jedem Beruf, bei jeder Person. Damit haben auch Politiker stark zu kämpfen. Das Vertrauen gegenüber der Politik sinke zunehmend und es werde von einer „Politikverdrossenheit“ gesprochen, erklärt Ophelia Nick. Dabei stelle für sie offene Kritik keinerlei Probleme dar. Im Gegenteil, Kritik sei in der Politik sehr wichtig und für die Demokratie ein essenzieller Punkt. „Nur so kann die Politik gute Lösungen finden.“ Die freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht der Bundesrepublik Deutschland, das vor allem in der Politik ein hohes Gut darstellt. Doch das Problem gegenüber Politikern sei mehr der Zorn, so Ophelia Nick. Eigene Unzufriedenheiten von Bürgern könne schnell auf Politiker übertragen werden. Begründungen wie: „Die machen doch eh, was sie wollen“ oder „Die reden doch nur und machen nichts“, seien nur zwei Beispiele von vielen. Insbesondere würde durch die sozialen Online-Netzwerke Hass und Wut noch schneller und einfacher verbreitet. „Beleidigungen haben durch die Anonymisierung des Netzes erschreckend zugenommen“, weiß Ophelia Nick aus eigenen Erfahrungen. Auf ihrem Facebook-Account finde sie immer wieder willkürliche Beleidigungen, „diese lösche ich direkt und sperre den Benutzer“. Aber nicht immer sei klar zu trennen zwischen Kritik und Hetze. Manchmal seien es Unterstellungen, die sie unter ihren Beiträgen stehen lasse. Jedoch wird Ophelia Nick nicht nur im Internet scharf kritisiert, sondern auch Auseinandersetzungen an Partei-Ständen könnten unschön werden. „Am Stand können tolle Gespräche, aber auch sehr unangenehme Gespräche entstehen“, berichtet die gebürtige Herdeckerin. Das Problem sei, dass „die Menschen denken, Politiker sind Freiwild“, an denen sie Aggressionen und Wut rauslassen können. Verärgert erzählt sie: „Ich werde für Sätze verantwortlich gemacht, die Grünenpolitiker vor 10-20 Jahren gesagt haben.“ Auch in der Kommunalpolitik ist Ophelia Nick aktiv und setzt sich ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen ein. Dazu zählt zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. oder die INGA Flüchtlingshilfe e.V. Es verärgert sie, wenn diese Arbeit nicht wertgeschätzt wird. „Oft wird dies nicht anerkannt und man wird lediglich als Machtmensch angesehen.“

Ophelia Nick ist in einer großen Familie mit drei Geschwistern aufgewachsen. Als Jüngste sei es nicht immer einfach, doch „ich habe gelernt mich zu behaupten“, was in der Politik von Vorteil sein könne. Und wahrscheinlich auch im Umgang mit ihren vier Söhen. „Meine Familie ist das Schönste auf der Welt“, erzählt sie mit einem Lächeln. „Ich bin unglaublich stolz auf alle meine Söhne und freue mich jeden Tag, wie sie ihr Leben gestalten“, erzählt sie mit strahlenden Augen. Es sei zwar nicht immer einfach, als einzige Frau unter fünf Männern, doch ihre Gelassenheit helfe dabei. „Es nützt ja nichts“, sagt Ophelia Nick entspannt und fängt an zu lachen. Mit einem kleinen Schmunzeln gesteht sie noch, recht ungeduldig zu sein, „die anderen nervt das, aber damit kommt man weiter“.

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ – A. de Saint-Exupéri

Ophelia Nick ist dabei, ihre politische Karriere weiter auszubauen. Bei der Bundestagwahl 2017 hat die Direktkandidatin des Wahlkreises Mettmann II nur knapp die Chance verpasst, in den Bundestag einzuziehen. Dies möchte sie jedoch 2021 möglich machen, um ihr berufliches Ziel zu erreichen. Ihr Lebenstraum ist, „dass die Menschen erkennen, wenn es der Natur und den Tieren besser geht, dass es auch ihnen besser geht“. Dass sie dafür einen langen und anstrengenden Weg gehen muss, ist Ophelia Nick bewusst. Doch durch ihre Freude und Leidenschaft lasse sie sich nicht von Klischees beeinflussen. Gerne ist sie bereit, Vorurteilen richtigzustellen und Fragen zu beantworten sowie Themen zu diskutieren. Doch nur wenn ehrliches Interesse bestehe, „sonst ist dies vertane Kraft und Zeit“. Am Ende zählt es für sie, die Gesellschaft mitzugestalten. „Es ist zwar ein mühsamer und harter Weg, aber man kann das Leben der Menschen verbessern, und das finde ich ein erstrebenswertes Ziel.“

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