Tiere in der Landwirtschaft – eine Frage der Haltung! BDK Antrag

Wir wollen raus aus der agroindustriellen Sackgasse! Damit der Umbau der Landwirtschaft hin zu einer umwelt- und tiergerechten Landwirtschaft gelingt, müssen wir uns gemeinsam auf den Weg machen: Bäuerinnen und Bauern, Verbraucherinnen und Verbraucher, die Lebensmittelindustrie und der Handel, die Wissenschaft – insbesondere die Agrar- und Ernährungswissenschaften – und die Politik.

Im krassen Gegensatz zu den oft idyllisch anmutenden Werbebotschaften von Lebensmittelhandel und Agrarindustrie gibt es mittlerweile für über hundert Millionen Tiere in der Landwirtschaft im Laufe ihres kurzen Lebens keinen Tag, an dem sie ihrer trostlosen Stallhaltung entrinnen können.

Auf den Weiden sieht man immer seltener Kühe. Schafe, Ziegen, Schweine und Geflügel sind fast vollkommen aus der Landschaft verschwunden.

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Mit der Industrialisierung der Tierhaltung nahm der Konsum von Lebensmitteln tierischen Ursprungs drastisch zu. Tiere sind zum Stückgut geworden – wie Schrauben oder Nägel.

Eine gute Qualität einschließlich einer tiergerechten Haltung ist aber nicht massenhaft und billig zu haben. Hier fordern wir ein Umdenken zu mehr Tierschutz. Darauf müssen Zucht und Haltung ausgerichtet sein. Die Tiere sollen ihre arteigenen Verhaltensweisen ausüben können und die Zahl der Tiere muss eindeutig der bewirtschafteten Fläche angepasst sein.

Für gutes Essen und eine grüne Landwirtschaft, in der Tiere artgerecht leben können, brauchen wir einen Agrarmarkt, in dem die Landwirt*innen für gute Arbeit faires Entgelt bekommen. Dafür wollen wir Grüne die richtigen politischen Rahmenbedingungen setzen.

TIERHALTUNG

Die geltenden gesetzlichen Vorgaben bzw. die nicht vorhandenen Vorgaben erlauben eine qualvolle Enge im Stall und verhindern das Ausleben von artspezifischen Verhaltensweisen und Bedürfnissen.

Grüne Lösungen:

  • Tiere müssen ihre arteigenen Bedürfnisse ausleben können
  • das Töten von männlichen Küken beenden
  • betäubungslose Kastration sofort verbieten
  • das im Tierschutzgesetz verankerte Amputationsverbot (Schnäbelkürzen, Ringelschwanz abschneiden) konsequent umsetzen
  • Agrarinvestitionsförderung nur noch für tiergerechte Haltungsformen
  • gesetzliche Vorgaben für Putenhaltung und Milchkühe
  • Handelsverbot für Importprodukte aus tierquälerischer Haltung z. B. [A1] Gänsestopfleber
  • ganzjährige Auslaufmöglichkeiten vorschreiben

TIERGESUNDHEIT

Gute Haltungsbedingungen verbessern die Tiergesundheit und reduzieren den Tierarzneimitteleinsatz. Die Krankheiten entstehen vor allem durch Enge, Bewegungsmangel, Stress und der einseitigen Leistungszucht. Durch den häufigen Einsatz von Antibiotika entstehen zunehmend resistente Bakterien, die auch die menschliche Gesundheit gefährden.

Grüne Lösungen:

  • Reduzierung der Antibiotikamenge und Verbot von Reserveantibiotika
  • Ausstieg aus der vorsorglichen Behandlung ganzer Tierbestände (Metaphylaxe) – Behandlung von Einzeltieren oder Kleingruppen
  • Einschränkung des massenhafte Verkaufs von Arzneimitteln direkt durch die Tierärztinnen und Tierärzte
  • Verbot der Rabattregelung für den Großbezug von Arzneimitteln
  • Einkommen der Tierärztinnen und Tierärzte vor allem über die Bestandsbetreuung und der Tiergesundheitsvorsorge sichern

TIERZUCHT

Weltweit agierende Agrarkonzerne produzieren Tiere, die innerhalb kürzester Zeit besonders viel Fleisch ansetzen, besonders viele Eier legen oder eine große Menge Milch geben. Diese einseitige Selektion auf nur wenige Zuchtlinien zieht beträchtliche Folgen nach sich: Der ursprünglich zur Verfügung stehende Genpool wird unwiederbringlich eingeengt und die Tiere leiden unter massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Grüne Lösungen:

Staatliche Forschungsunterstützung auf tierschutzgerechte Zuchtziele wie Lebensleistung, Gesundheit, regional angepasste Rassen konzentrieren

TIERFÜTTERUNG

Durch die Leistungszucht und nicht flächengebundene Tierhaltung werden Futtermittel, insbesondere Soja (zu 90 % genverändert!) und Getreide, nach Deutschland importiert. Allein für den Anbau für Soja nahm Deutschland im Jahr 2012 etwa 2,5 Millionen Hektar außerhalb der EU vor allem in Südamerika in Anspruch.

Grüne Lösungen:

  • artgerechte Futterzusammensetzung und Futteraufnahme
  • einheimische Futtermittelproduktion forcieren
  • staatliche Gelder für Züchtung, Anbau und Produktionstechnik insbesondere auf die Fütterung einheimischer Eiweißfuttermittel ausrichten

TIERTRANSPORTE UND SCHLACHTUNG

Grüne Lösungen:

  • Transporte für Schlachttiere auf 4 Stunden beschränken
  • regionale Schlachtstätten und mobile Schlachteinrichtungen fördern
  • regionale Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen aufbauen
  • Exporterstattungen und Exportbeihilfen für Fleisch und Fleischprodukte beenden
  • Akkordarbeit beim Treiben, Betäuben und Töten der Tiere verbieten
  • Methoden des Betäubens und Tötens überprüfen und weiterentwickeln

TIERSCHUTZ

Im Jahr 2002 wurde der Schutz der Tiere als Staatsziel in das deutsche Grundgesetz aufgenommen. Ein Tierschutzgesetz gemäß dem grundlegenden Auftrag des Grundgesetzes ist seit Jahren überfällig.

Grüne Lösung:

  • Einführung des Verbandsklagerechts für Tierschutzorganisationen bei behördlichen Entscheidungen
  • Tierschutzbeauftragte auf Bundes- und Länderebene

UMWELTSCHUTZ UND KLIMASCHUTZ

In der Intensivtierhaltung haben Gülle und Mist nicht mehr die Bedeutung eines hochwertigen organischen Düngers, stattdessen steht die reine Entsorgung der massenhaft anfallenden tierischen Exkremente im Vordergrund. Die Folge: Nitratbelastung des Grund- und Trinkwassers und die Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit ganzer Landstriche.

Die globale Fleischproduktion verursacht international hohe CO2-Emissionen wie durch die Abholzung von Regenwald für Anbau von Futtermitteln, die Zerstörung von Moorböden und den hohen Transportaufwand.

Grüne Lösungen:

  • staatliche Förderung nur noch für flächenangepasste Tierhaltung, d. h. nicht mehr als 2 GV (Großvieheinheiten) pro Hektar bewirtschafteter Fläche
  • kein Zubau mehr von Stallplätzen in Regionen, die bereits jetzt schon mehr als 2 GV pro Hektar der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche haben
  • verpflichtende Filteranlagen für neue Stallanlagen ab einer bestimmten Größe und Nachrüstung von bestehenden Stallanlagen

INFORMATION UND BILDUNG

Direkte Absatzbeziehungen zwischen den Landwirt*innen und den Verbraucherinnen und Verbrauchern werden heute immer seltener. Wissen über landwirtschaftliche Produktionsprozesse und über gesunde Ernährung verschwindet und damit auch die Wertschätzung von landwirtschaftlicher Arbeit und Erzeugnissen.

Die Art und Weise, wie wir uns ernähren und unser Essen produzieren hat aber Auswirkungen auf den gesamten Planeten.

Ernährungsbildung und klare Lebensmittelkennzeichnungen sind daher die Grundvoraussetzung für bewusste Kaufentscheidungen.

Grüne Lösungen:

  • Ernährungsbildung und gesundes Schul- und Kitaessen im Kindergarten und an allen Schultypen
  • Wissen über vegetarische und vegane Ernährung in allen Ernährungsberufen stärken, und in öffentlichen Kantinen auch vollwertige vegetarische und vegane Gerichte anbieten.
  • staatliche Fördergelder nur noch für regionale Erzeugungs-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen
  • Einführung einer Fleischkennzeichnung, die die Haltung der Tiere für die VerbraucherInnen transparent macht, analog zur Eierkennzeichnung
  • Lebensmittelverschwendung bekämpfen

Technischer Fortschritt und wissenschaftliche Erkenntnisse in der Tierhaltung müssen zuallererst zugunsten der Tiere und damit zum Schutz von Boden, Wasser und Klima eingesetzt werden, das nutzt letztlich der Gesundheit der Menschen. Ausschließlich betriebswirtschaftliche Kriterien auf Lebewesen anzuwenden ist unethisch.