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30.03.2026

Gleichstellung ist Zukunftsfrage der Landwirtschaft – Bundesregierung muss strukturelle Maßnahmen ergreifen

Gleichstellung ist Zukunftsfrage der Landwirtschaft

Bundesregierung muss strukturelle Maßnahmen ergreifen

Die Ergebnisse des öffentlichen Fachgesprächs „Vernetzung, Förderung, Führungsposition – Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft“ am Dienstag, 24. März 2026, kommentieren Ophelia Nick, Sprecherin für Landwirtschaftspolitik, und Ulle Schauws, frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, wie folgt:

„Bei Lösungen für mehr Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft haben wir kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Die Handlungsaufträge liegen längst vor. Jetzt braucht es den politischen Willen der Bundesregierung, diese auch verbindlich umzusetzen“, betont Ophelia Nick.

Im Gespräch mit den Gästen aus der Landwirtschaft, den Verbänden sowie der Wissenschaft herrschte Einigkeit darüber, dass ein besserer Zugang von Frauen zu Führungspositionen, Gründungsmöglichkeiten und sozialer Absicherung in der Landwirtschaft nicht auf individuelle Eigenverantwortung von Frauen abgewälzt werden kann. Die Benachteiligung hat strukturelle Ursachen und braucht entsprechend strukturelle Antworten. Die Teilnehmenden sprachen über konkrete Erwartungen an die Politik:

Etwa dafür zu sorgen, dass die Beteiligung von Frauen in agrarpolitischen Prozessen verbindlich wird. Ziel muss sein, dass alle relevanten Entscheidungsgremien mittelfristig paritätisch besetzt sind. Aus Sicht der Fraktion sollten Agrarzahlungen und Fördermittel künftig gezielter an Frauen gehen. Beispielsweise über höhere Prämien für weibliche Betriebsleitungen oder eine bundesweite Existenzgründungsförderung für Frauen.

„Angesichts der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen können wir es uns nicht leisten, Frauen und ihre Fähigkeiten, auszubremsen. Der Sektor kann weder auf weibliche Hofnachfolgerinnen noch auf die Innovationen von Frauen verzichten, wenn er für die Zukunft gut aufgestellt sein will. Dabei nehmen wir alle Frauen, die auf einem Betrieb arbeiten, in den Blick – neben den Betriebsleiterinnen auch Frauen, die in einen Betrieb einheiraten, sowie Angestellte oder Saisonarbeiterinnen“, betont Ophelia Nick.

Die Benachteiligung von Frauen, zeigt sich im Alltag vieler Landwirtinnen wie im Brennglas: Ein hohes Maß unbezahlter Erwerbs- und Care-Arbeit, unzureichende soziale Absicherung, mangelnde Infrastruktur und Daseinsvorsorge auf dem Land – Hürden, die die finanzielle Unabhängigkeit und Selbstbestimmung von Frauen erschweren. Für echte Chancengleichheit muss die Bundesregierung deshalb Maßnahmen ergreifen, die über die Landwirtschaft hinausgehen.

Deshalb fordert Ulle Schauws: „Kinderbetreuung und Unterstützungsangebote für Care-Arbeit müssen ausgebaut werden, unter anderem durch eine deutlich höhere steuerliche Abzugsfähigkeit sowie die Einführung eines Gutscheinmodells für haushaltsnahe und familienunterstützende Dienstleistungen. Die Lohnsteuerklassen und das Ehegattensplittings müssen gezielt geschlechtergerecht reformiert werden, um nachteilige Anreize bei der Aufteilung von Erwerbsarbeit zwischen Eheleuten abzubauen. Auch die Einführung eines Mutterschutzes für Selbstständige dürfen wir nicht weiter verschleppen. Gerade damit würden wir vielen Frauen in der Landwirtschaft in einer sensiblen Zeit endlich den Rücken stärken. Darüber hinaus muss Finanzbildung für Frauen gefördert werden, um ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit zu stärken, und die Vernetzung über den Sektor hinaus ausgebaut werden.“

„Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen ist nicht weniger als eine Zukunftsfrage der Landwirtschaft und unserer Gesellschaft“, fassten beide Abgeordnete abschließend zusammen.

Anlässlich des UN-Jahres der Frauen in der Landwirtschat und des Internationalen Frauentages hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im März 2026 zwei Anträge zur Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft (Bundestags-Drucksache 21/4470) sowie für Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung (Bundestags-Drucksacke 21/4502) in den Bundestag eingebracht

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