
Politischer Aschermittwoch der Grünen im Kreis Mettmann
Weniger Kirchturmpolitik und mehr Frauen an der Macht
Kreis Mettmann · Problemlöserinnen schätzt der Wähler mutmaßlich mehr als jeden Hau-Drauf. Darum setzten drei Politikerinnen an diesem Aschermittwoch andere Akzente.
Frauen regieren ganz einfach anders. Da ist sich Solveig Zieger, Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen auf Kreisebene, ganz sicher. Weltweit sei bislang keine Schlägerei in einem Parlament von Frauen angezettelt worden. „Weniger Fäuste, mehr Fortschritt“, resümierte die Ökopolitikerin aus Erkrath und gab beim Politischen Aschermittwoch der Grünen in der Kulturvilla Mettmann den rund 100 Gästen noch das Ergebnis einer Umfrage mit auf den Weg: Dabei hätten 63,5 Prozent der Befragten geäußert, dass die Welt besser regiert werden würde, wenn mehr Frauen echte politische Macht besäßen. Die Sprecherinnen-Kollegin Ina Besche-Krastl aus Mettmann und die grüne Bundestagsabgeordnete Ophelia Nick nickten dazu. Und dann zeigten sie alle drei ihre Version eines Politischen Aschermittwochs – mit viel weniger Krawall als der provokante Einladungstitel des grünen Jahresempfangs hätte vermuten lassen, und so manchem Vorschlag, der eigentlich einen zweiten und dritten Blick Wert sein würde.
Da ist zum Beispiel die Kritik von Solveig Zieger an der elendigen Kirchturmpolitik. Ob zwischen den Staaten in Euro oder zwischen Alt-Erkrath und Hochdahl: Es sei vieler Orten so, dass sich viele lediglich um sich selber kümmerten anstatt nach einer viel besseren, gemeinsamen Lösung zu suchen. „Interkommunale Zusammenarbeit ist leider auch bei uns im Kreis Mettmann immer noch ein Reizwort“, sagte Zieger und ließ mitschwingen: Das kostet Chancen auf ein besseres Leben und am Ende des Tages auch unnötig viel Geld.
Ina Besche-Krastl bat um Nachsicht dafür, dass sie unmittelbar nach ihrem Grußwort die Veranstaltung verlassen werde. Noch schlafe die gerade geborene Tochter – habe der Vater von zu Hause durchtelefoniert. Aber die Erfahrung zeige, dass solche Phasen endlich seien: „Die Nächte mit einer Neugeborenen, wenn du nachts um drei Uhr in die wachen Augen Deiner kleinen Tochter gickst, sind ein echtes Resilienz-Training.“ Immerhin habe sie in den nächtlichen Stunden viel Zeit, um Podcasts zu hören, und sei dabei über einen Satz ihres Parteikollegen Winfried Kretschmar gestolpert: „Politik macht keinen Spaß, sondern Sinn.“ Seit die Grünen nicht mehr Teil einer umstrittenen Ampel in Berlin seien, lasse sich wenigstens Klartext über die Bundesebene reden, lockte Besche-Krastl – um wenig später ihre Bundeskollegen zu ermuntern, die schlechten Umfragewerte sportlich zu nehmen: „Wer wie wir für Windkraft ist, darf sich eigentlich nicht über Gegenwind beschweren.“
Foto: Köhlen, Stephan (teph)








