
Eine Frau, ein Wald, eine Vision: Zu Besuch bei der Kakaobäuerin Dona Nena im Amazonas
Zu Besuch bei der Kakaobäuerin Dona Nena im Amazonas
Mitten im Amazonas-Regenwald, nur eine kurze Bootsfahrt von Belém entfernt, liegt ein Ort, der zeigt, wie nachhaltiges Wirtschaften, Tradition und unternehmerischer Mut zusammenfinden können: die Schokoladenmanufaktur Casa do Chocolate da Dona Nena auf der Ilha do Combu. Hier habe ich auf meiner Delegationsreise nach Brasilien eine beeindruckende Frau kennengelernt: Dona Nena.
2026 ist das Jahr der Frauen in der Landwirtschaft. Und genau deshalb ist es so wichtig, Geschichten wie die von Dona Nena zu erzählen.
Vom Regenwald zur Schokoladentafel
Die Reise zu ihrer Manufaktur beginnt auf dem Wasser. Vom Festland aus geht es mit dem Boot über den Guamá-Fluss – ein Perspektivwechsel, der schnell deutlich macht, wie eng das Leben hier mit der Natur verbunden ist.
Vor Ort wird klar: Dona Nena steht für ein besonderes Produktionsmodell. Sie und ihr Team begleiten jeden Schritt selbst – vom Anbau des Bio-Kakaos bis zur fertigen Schokolade. Dieses sogenannte „Farm-to-Bar“-Prinzip ist hier keine Marketingstrategie, sondern gelebter Alltag.
Der Kakao wächst nicht auf gerodeten Flächen, sondern eingebettet in den Wald. Agroforstwirtschaft heißt das Konzept: Kakao wird zwischen einheimischen Bäumen kultiviert, ohne das Ökosystem zu zerstören. Für die Schokolade von Dona Nena wird kein Baum gefällt.
Unternehmerin, Bewahrerin, Innovatorin
Hinter dem Namen Dona Nena steht Izete dos Santos Costas, eine Frau, die tief mit der Region und ihren Traditionen verwurzelt ist. Ihre Verbindung zum Kakao hat sie von ihrer Familie geerbt. Heute führt sie das Geschäft auf dem Land ihres verstorbenen Schwiegervaters weiter.
Was als kleine Initiative begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer erfolgreichen Manufaktur:
Seit 2006 verarbeitet sie gemeinsam mit anderen Produzent*innen Kakao selbst, statt ihn nur als Rohstoff zu verkaufen. Aus ersten rustikalen Tafeln entstanden bald Kakaonibs, Pulver und schließlich feinste Spezialitäten wie Brigadeiro da Floresta.
Dona Nena hat sich kontinuierlich weitergebildet und ist heute ausgebildete Chocolatière. Ihr Anspruch: den gesamten Wertschöpfungsprozess in den Händen der Gemeinschaft halten.
Leben und Wirtschaften im Einklang mit dem Wald
Kakao ist das Herzstück, doch die Vielfalt macht das System stark. Auf den Flächen wachsen auch Açaí, Cupuaçu, Pupunha oder Taperebá. Diese Diversität sichert Einkommen, schützt den Boden und macht die Gemeinschaft unabhängiger von einzelnen Ernten.
Aus Cupuaçu entstehen Süßigkeiten und Füllungen, Açaí wird verarbeitet und vermarktet, Pupunha dient als wichtige Ergänzung in erntearmen Zeiten. Alles wird möglichst direkt verkauft, ohne Umwege über Zwischenhändler.
Dieses Modell zeigt: Nachhaltigkeit ist hier kein Luxus, sondern Grundlage wirtschaftlichen Erfolgs.
Warum wir Frauen wie Dona Nena sichtbar machen müssen
Dona Nena steht stellvertretend für viele Frauen weltweit, die in der Landwirtschaft Großartiges leisten, oft unter schwierigen Bedingungen und mit wenig Sichtbarkeit.
Sie ist Unternehmerin, Ausbilderin, Netzwerkerin und Bewahrerin traditionellen Wissens zugleich. Ihr Beispiel zeigt, wie lokale Wertschöpfung, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Unabhängigkeit zusammengehen können.
Gerade im Jahr der Frauen in der Landwirtschaft wird deutlich:
Wenn wir über die Zukunft von Ernährung, Klimaschutz und globaler Gerechtigkeit sprechen, müssen wir Frauen wie Dona Nena stärker in den Fokus rücken.
Ein Ort, der inspiriert
Mein Besuch bei Dona Nena war mehr als ein Programmpunkt. Er war eine Begegnung mit einer Vision von Wirtschaft, die im Einklang mit Mensch und Natur steht.
Die Manufaktur auf der Ilha do Combu zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltige Landwirtschaft konkret aussehen kann: lokal verankert, gemeinschaftlich organisiert und getragen von starken Frauen.








