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07.09.2026

Für eine Landwirtschaft mit Zukunft : Unsere Forderungen für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2027

Für eine Landwirtschaft mit Zukunft

Unsere Forderungen für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2027

Unsere Landwirtschaft steht vor immensen Herausforderungen: Klimabedingte Ernteausfälle aufgrund von Dürren, Überschwemmungen und Rekordhitze. Schwankende Preise, steigende Ausgaben und eine immer höhere Konzentration der Marktmacht entlang der Kette. Sie befeuern den Strukturwandel und erschweren den Generationenwechsel. Gleichzeitig erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher zu Recht den Schutz von Böden, Wasser, Klima und Tieren.

Die Antwort darauf darf nicht der Abbau von Umwelt-, Klima-, Tierschutz- und sozialen Standards sein. Das würde Krisen weiter verstärken, anstatt Zukunftsperspektiven für landwirtschaftliche Betriebe zu schaffen. Die Vorschläge aus Brüssel zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2027 bereiten die Betriebe nicht auf die Zukunft vor, sondern setzen eine resiliente Landwirtschaft aufs Spiel. Die Rückkehr zu einer pauschalen Flächenförderung ist ein falsches Signal. Eine Politik nach dem Motto “mehr Hektar – mehr Geld” ignoriert die Realität der Klimakrise und macht landwirtschaftliche Einkommen langfristig unsicher.

Wir brauchen stattdessen eine eigenständige, starke Gemeinsame Agrarpolitik, die Landwirtinnen und Landwirten ein verlässliches Einkommen ermöglicht, indem sie die Leistungen honoriert, die unsere Gesellschaft dringend braucht: Wasserrückhalt, gesunde Böden, Artenvielfalt, Klimaschutz und Tierwohl. Umweltleistungen müssen zu einem eigenständigen wirtschaftlichen Standbein landwirtschaftlicher Betriebe werden.

Unsere Forderungen
1. Eine eigenständige Gemeinsame Agrarpolitik
Die GAP muss als eigenständige europäische Politik mit eigenem Budget für eine nachhaltige Landwirtschaft erhalten bleiben. Sie ist der zentrale Hebel, um europaweit den Umbau zu einer klimaangepassten, ressourcenschonenden sowie umwelt- und tierwohlgerechten Landwirtschaft zu gestalten.

2.Level playing field schaffen – gleiche Regeln im europäischen Binnenmarkt
Landwirtschaftliche Betriebe konkurrieren auf einem gemeinsamen europäischen Markt. Deshalb braucht es weiterhin gemeinsame europäische Regeln. Nationale Alleingänge führen zu Wettbewerbsverzerrungen bei Produktionsbedingungen und einem Unterbietungswettbewerb bei Umwelt-, Klima- und Tierschutzstandards.

3. EU-weite Mindeststandards absichern
Die Grundanforderungen der GAP müssen europaweit verbindlich gelten. Dazu gehören Umwelt-, Klima-, Biodiversitäts-, Tierwohl-, und Sozialstandards. Maßnahmen zum Schutz von Böden und Gewässern, zur Erhaltung des Dauergrünlands, zur Vermeidung von Erosion und Nährstoffeinträgen sind Grundsätze landwirtschaftlicher Praxis und als solche EU-weit abzusichern. Die soziale Konditionalität muss bestehen bleiben, denn die Einhaltung von Arbeits-, Sozial- und Arbeitnehmerrechten muss weiterhin Voraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen und Fördermitteln sein. Europäische Agrarförderung darf nur dort fließen, wo soziale Standards eingehalten werden.

4. Umweltleistungen zu einem verlässlichen Einkommen machen
Die GAP muss Betriebe dafür entlohnen, dass sie gesellschaftliche Leistungen erbringen. Wasserrückhalt, Humusaufbau, Bodenschutz, Artenvielfalt, Klimaschutz und Tierwohl sind keine Nebensache oder Privatvergnügen der Betriebe, sondern öffentliche Leistungen mit hohem gesellschaftlichem Wert. Sie müssen einkommenswirksam vergütet werden und zu einem verlässlichen wirtschaftlichen Standbein landwirtschaftlicher Betriebe werden.

5. Ein verbindliches Mindestbudget für Umwelt-, Klima- und Ökoleistungen sichern
Ein substanzieller Teil des GAP-Budgets muss verpflichtend für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sowie den ökologischen Landbau reserviert und jährlich ausgebaut werden. Gleichzeitig brauchen die Mitgliedstaaten ausreichend Flexibilität, um regionale Besonderheiten zu berücksichtigen.

6. Planungssicherheit für Betriebe schaffen
Klima-, Umwelt- und Tierwohlmaßnahmen dürfen nicht durch höhere nationale Kofinanzierungs-Sätze ausgebremst werden. Landwirtinnen und Landwirte brauchen langfristig verlässliche Förderbedingungen, damit sie in nachhaltige Produktionssysteme investieren können.

7. Ländliche Räume stärken
Um lebendige ländliche Räume zu erhalten, muss das Regionalförderprogramm LEADER mit einem festen Mittelansatz dauerhaft abgesichert und in allen Regionen ermöglicht werden. Dabei muss LEADER weiterhin als einheitlicher, sektorübergreifender Förderansatz auf die gesamte Bandbreite ländlicher Entwicklung angewendet werden können. Denn die LEADER-Förderung ist gelebte Demokratie, mit der die Menschen vor Ort ihr Lebensumfeld gestalten.

8. Junglandwirtinnen und -landwirte fördern und Existenzgründung ermöglichen
Der Generationenwechsel muss mit voller Kraft unterstützt werden. Dafür braucht es u.a. eine europaweit verpflichtende und auf gleichen Bedingungen beruhende Existenzgründungsprämie. Die Konzepte müssen betriebsgebunden gefördert und an Nachhaltigkeitskriterien geknüpft werden. Beratung, Mentoring und Schulung für Betriebe und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen gestärkt werden.

9. Frauen in der Landwirtschaft gezielt stärken
Frauen leisten einen unverzichtbaren Anteil zur Betriebsentwicklung und zum wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt in ländlichen Räumen. Die GAP muss ihre Rolle stärker anerkennen, den vorhandenen Spielraum für eine geschlechtergerechte Agrarförderung konsequent nutzen und Frauen gezielt fördern. Betriebe, die von Frauen geführt werden, sowie Gründerinnen, Hofnachfolgerinnen und Unternehmerinnen in ländlichen Räumen brauchen bessere Unterstützung für einen gleichberechtigten Zugang zu Land, Kapital, Wissen, Fördermitteln sowie betrieblichen und politischen Entscheidungen.

10. Orientierung an Wissenschaft & gesellschaftlichem Konsens
Die GAP muss sich konsequent an wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Anpassung an den Klimawandel, zum Schutz der Artenvielfalt und zur Sicherung natürlicher Ressourcen orientieren. Die Weiterentwicklung der GAP muss auf dem breit getragenen Strategischen Dialog zur Zukunft der Landwirtschaft fußen.

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